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Der Zukunftsmarkt "Alter" &ndash eine Chance für Unternehmen

© 2010 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Ältere Menschen sind in Deutschland ein großes Wachstumssegment. Im Jahr 2035 wird fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Diese Entwicklung bietet handfeste ökonomische Chancen, vor allem für innovative Unternehmen, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen auf die veränderten Bedürfnisse der älteren einstellen.

In der Zukunft werden ältere Menschen – und von denen insbesondere die über 65‐Jährigen – die wichtigste Konsumgruppe sein. Bereits heute liegt die Kaufkraft der über 50‐Jährigen nach einer Schätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bei jährlich rund 640 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Der Anteil dieser Gruppe am Gesamtkonsum wächst bis 2035 auf knapp 60 Prozent, schätzen Experten. Bereits in der Gegenwart stellen die älteren eine wirtschaftlich potente Gruppe dar und ihr Konsum wächst. Sie sind immer mehr bereit, ihr Geld auszugeben ‐ vorausgesetzt, die Unternehmen greifen ihre Interessen und Bedürfnisse auf. Die über 50‐jährigen Konsumenten legen vor allem Wert auf hohe Qualität und kompetente Beratung. Sie verfügen über langjährige Konsumerfahrung und zeichnen sich durch ein hohes Maß an Aufgeschlossenheit, und vielseitige Interessen aus.

Es ist nicht zuletzt ein Wandel in den Lebensumständen, der die älteren Menschen konsumfreudiger werden lässt. Der Megatrend der Individualisierung hinterlässt auch bei den heute 50‐ bis 60‐Jährigen sichtbare Spuren. War bei der eigenen Elterngeneration noch eisernes Sparen angesagt, so wollen diese Aktiven und Wohlhabenden sich öfters mal was gönnen, wollen soweit es geht ein schönes Leben genießen. Die Verbraucheranalyse der Verlagsgruppen Axel Springer und Bauer aus den Jahren 2007 und 2008 stellt fest, dass es insgesamt zu einer deutlichen mentalen Verjüngung gekommen ist. Die heute 65‐Jährigen fühlen sich laut Analyse wesentlich jünger als noch ihre Altersgenossen vor 20 Jahren. Und sie handeln auch dementsprechend. Erst ab 65 beginnt dieser Untersuchung zufolge langsam ein ruhigerer Lebensabschnitt. Der häusliche Bereich gewinnt dann an Bedeutung. Die Phase der aktiven und konsumorientierten Lebensgestaltung ist folglich ein Zukunftsmarkt, der bislang zu wenig erschlossen ist. Unternehmen die auf den Wandel reagieren, bietet diese Entwicklung neue Wachstumschancen.

Chancen bieten sich aber nicht nur national. "Der deutsche Seniorenmarkt wird sich innerhalb Europas als erster hochdynamisch entwickeln", so die Studie "Wirtschaftmotor Alter", die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2008 erstellt wurde. Diese Vorreiterrolle wird laut Studie im Zuge des demografischen Wandels in anderen Industrienationen zu einem internationalen Wettbewerbsvorteil. Denn Unternehmen, die sich früh auf dem heimischen Markt für Seniorenprodukte positionieren, können auf dem zeitlich verzögert wachsenden internationalen Markt strategische Wettbewerbsvorteile erringen.

Institut der deutschen Wirtschaft
Ältere Beschäftigte ‐ Vorurteile weitgehend widerlegt

REFR / Online‐Redaktion serviceseiten50plus.de ‐ // Quelle: IW Köln
Artikel vom 27.07.2010

Kollegen jenseits der 50 sind besser als ihr Ruf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), das rund 1.350 Personalleiter und Geschäftsführer von Industrieunternehmen zum Image älterer Beschäftigter befragt hat.

Demnach hält nur eine Minderheit von 27 Prozent der Befragten ältere Mitarbeiter für weniger produktiv, weil sie beim Arbeitstempo nicht mehr mithalten können. Und ein Viertel der Unternehmen glaubt, Weiterbildung für ältere Mitarbeiter lohne sich nicht. ähnlich sieht es beim Thema Motivation aus: Nur eine von vier Führungskräften beklagt einen geringeren Leistungswillen bei den über 50‐Jährigen im Vergleich zu jüngeren Beschäftigten.

Auch in puncto krankheitsbedingte Ausfälle lassen sich die Manager nicht von Vorurteilen leiten: Die Hälfte stimmt sogar der Aussage zu, dass ältere seltener krank sind als Jüngere. Viele Unternehmen haben zudem erkannt, dass sie mit einer maßgeschneiderten Personalpolitik sowohl die Leistungsbereitschaft als auch die Leistungsfähigkeit der älteren Kollegen gezielt fördern können.

Zu den beliebtesten Maßnahmen zählen altersgemischte Teams, der Einsatz der 50‐plus‐Profis als Trainer und Ausbilder sowie die Projektarbeit an wechselnden Standorten oder im Ausland, wo die älteren Arbeitnehmer nicht nur von ihrem umfangreichen betrieblichen Wissen profitieren, sondern auch ihre Lebenserfahrung einbringen können.

Gold – Quelle 50plus
Ältere Kunden sind wie Edelmetall

Autor: Helmut Muthers, Strategisches Chancen‐Management
Artikel vom 21.07.2010

Die aktuelle demografische Entwicklung ist ein Mega‐Thema, für das es in der bisherigen Menschheitsgeschichte keine Vorbilder, Denkmodelle, fertigen Konzepte oder nachhaltig erprobte Strategien gibt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sich bis heute so wenige Unternehmen gezielt um die ältere Generation kümmern. Ein anderer Grund sind möglicherweise unausrottbare Klischees, die den älteren Menschen auf der einen Seite als besonders treuen Kunden sehen und andererseits kein geschäftliches Potenzial vermuten.

Schlagworte: Age‐Management, demografischer Wandel, Kundensegmentierung, Personalbeschaffung
Die Bevölkerungsstruktur verändert sich radikal, die Gesellschaft bekommt ein völlig neues Gesicht: Wir werden älter. Wir werden weniger. Wir werden multikultureller.

Die Menschen altern in einem unvorstellbaren Ausmaß. Seit 2003 schrumpft die deutsche Bevölkerung und die Zahl der Migranten wird absolut und relativ steigen (müssen), sollen die aufkommenden Bedrohungen halbwegs lösbar bleiben. Die künftigen Jahrzehnte werden für Unternehmen zu einer Bewährungsprobe, die in ihrer Bedeutung alles bisher Dagewesene übertreffen wird. Die Unternehmen, die das verstanden haben, sind bereits aktiv und sichern sich frühzeitig die lukrativsten Märkte der Zukunft.

Die Alten kommen

Die ältere Generation gewinnt die Oberhand. Sie wird Politik und Wirtschaft dominieren. An ihr kommt keiner mehr vorbei. Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist enorm. Sie ist die Quelle für Umsatz‐ und Ertragszuwächse. Die Daten 50plus sprechen für sich:
‐ Ein Nettovermögen von 3 Billionen Euro
‐ In jeder Dekade werden zwischen 2 und 3 Billionen Euro vererbt
‐ Eine Kaufkraft von 320 Milliarden Euro
‐ Viermal so viel Geld wie junge Familien
‐ Etwa 60 Prozent aller Konsumausgaben
‐ 80 Prozent der Kundeneinlagen bei Banken und Sparkassen und
‐ 35 Milliarden Euro Auszahlungen von Lebensversicherungen jährlich.
Die demografischen Veränderungen haben nachhaltige Auswirkungen auf alle Unternehmensbereiche.

Personalstruktur und Personalbeschaffung

In vielen Unternehmen werden ältere Mitarbeiter immer noch vorzeitig in den Ruhestand geschickt, während die Konkurrenz ältere gezielt zur Neukundengewinnung einstellt. Viele ältere Menschen möchten lieber von älteren Verkäufern angesprochen werden, da sie mit ihnen auf gleicher Alters‐ und Sozialebene kommunizieren können. Eine Sprach‐ und Verkaufskultur, die den älteren Menschen ernst nimmt, ihn respekt‐ und würdevoll behandelt, fällt unter Gleichaltrigen oft leichter.

In der Realität lässt sich das in den Betrieben nur selten darstellen. Die meisten Verkäufer sind jünger als die Kunden 50plus und mit ihren Denk‐ und Verhaltensweisen oft nur wenig vertraut. Ein 30‐Jähriger, der es schafft, sich in die Gefühlslage eines 62‐jährigen Kunden zu versetzen und mit ihm über Pflegerisiken zu reden ist wahrscheinlich eine ebenso große Ausnahme wie die 27‐jährige Mitarbeiterin einer Drogerie, die mit einer 68‐jährigen Dame über deren Hautprobleme sprechen kann. Der Belegschaftsstruktur ist unbedingt mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Hier ist Mut zum Alter gefragt. In wenigen Jahren wird es mehr Berufsaustritte als Berufseintritte geben, eine Situation, die das Personalmanagement heute schon berücksichtigen muss. Eine kreative Verlängerung der Beschäftigung ‐ auch über den Rentenbeginn hinaus ‐ und die Einstellung pensionierter Mitarbeiter werden dabei Optionen sein müssen.

Kommunikation und sensible Ansprache

Ausgehend von der Geschäftsführung und den Führungskräften muss sich die ältere Generation als neue Zielgruppe im Bewusstsein aller Beschäftigten verankern. Bisherige Verkaufstechniken, bislang gewählte Nutzenargumente, die Sprache, das "Wording" der Verkaufsunterlagen und so weiter sind in Laien‐Deutsch zu übersetzen und in eine neue Art der Ansprache zu überführen. Für die Sensibilisierung der Mitarbeiter, das Wissen "wie die Alten ticken", deren Lebensinteressen, Erwartungen und Bedürfnisse und wie sie erfolgreich angesprochen werden, sind Sensibilisierungsprogramme und Schulungsmaßnahmen wichtig.

Marketing und Vertrieb

Nur selten haben Menschen so klare Vorstellungen wie die "Alten". Sie sind anspruchsvoll, kritisch und qualitätsbewusst, meist umfassend informiert und wissen genau, was sie wollen. Sie sind gesünder, rüstiger, mobiler, gebildeter, wohlhabender, konsumorientierter, selbstbewusster, mündiger und "verrückter" als jede Generation vor ihnen. Sie sind Konsumprofis. Mit herkömmlichen Beratungs‐, Betreuungs‐, Marketing‐, Vertriebs‐ und Kommunikationskonzepten sind ältere Menschen nicht mehr zu beeindrucken. Sie brauchen keine Seniorennachmittage, Seniorenversicherungen, Seniorenkonten, Seniorentickets oder Seniorenschalter. Sie wollen akzeptiert und respektiert, umworben und überzeugt, nicht überredet werden. Nur wer altersgerechte Grundtugenden und Umgangsformen beherrscht, ehrlich, fair und zuverlässig ist, hat eine Chance.

Produkte und Dienstleistungen

Unternehmen müssen die Rahmenbedingungen ihrer Produkte und Dienstleistungen überdenken. So sind Altersgrenzen für eine Konsumfinanzierung bei 60 oder 65 vor dem Hintergrund der gestiegenen Lebenserwartung realitätsfremd. Menschen, die im Durchschnitt älter als 80 Jahre werden, sind in der Lage, Kredite mit angemessenen Laufzeiten zu tilgen.

Auf lesbare Schriften und Beipackzettel ist genauso zu achten wie auf die Verpackung selbst. Eingeschweißte Produkte, die nur mit Schere oder Zange zu öffnen sind, stellen für ältere Menschen KO‐Kriterien dar.

Bei den Filialen haben Nähe und Erreichbarkeit einen hohen Stellenwert. Parkplätze oder die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind zu berücksichtigen. Das Geschäft muss mobiler werden. Der Außendienst ist zu verstärken. Betreuung in Altenheimen oder ein Bringservice sind einzurichten. Für ältere Menschen, aber auch Behinderte, Schwangere etc. ist Barrierefreiheit in den Geschäftsräumen ein zentrales Thema. Rutschfeste Böden, klare Orientierungen, Toiletten im Erdgeschoss, breite Türen, blendfreie Beleuchtung, Aufzüge und Rolltreppen sind Beispiele. Bei Geld‐ oder Ticketautomaten und anderen SB‐Einrichtungen ist auf einfachste Bedienung, Selbsterklärbarkeit und ein sicheres Umfeld zu achten. Auch im Internet‐Banking sind die Regeln des barrierefreien und einfachen Zutritts sicherzustellen. Die Liste der notwendigen Anpassungen lässt sich beliebig verlängern.

Unternehmen müssen sich an die veränderten Bedingungen schnellstmöglich anpassen. Diejenigen, die jetzt die Weichen stellen, schaffen sich Wettbewerbsvorteile.

Von der Demografie profitieren

Viele Unternehmen versinken im Mittelmaß und in der Perspektivlosigkeit. Sie stecken mit ihren Produkten und Leistungen tief in der Austauschbarkeitsfalle und ruinösen Preiskämpfen, mit allen Konsequenzen für das Geschäftsergebnis. Die demografischen Veränderungen bieten den Unternehmen herausragende Chancen, sich aus dieser Negativspirale heraus zu entwickeln. Wer sich auf Problemlösungen und Leistungserlebnisse für die reichste und einzige wachsende Zielgruppe fokussiert, wird zu den Gewinnern der demografischen Revolution gehören.

Junge Füchse und alte Hasen!

Quelle: Wolfgang Ronzal, Erfolgstrainer, www.ronzal.at
Artikel vom 27.07.2010

Wenn wir heute Geschäfte und Filialen von Ketten betreten, so sehen wir im Servicebereich und an den Arbeitsplätzen überwiegend sehr junge Mitarbeiter.
Gefragt sind bei der Aufnahme neuer Mitarbeiter Eigenschaften, die man der Jugend zuspricht: mobil, flexibel, belastbar.

Das Neue, das Innovative, das Vorwärtsbringende kann man sich offenbar nur faltenlos vorstellen. Schon in den Stellenanzeigen liest man: "Wir sind ein junges, dynamisches Team ...". Und wenn gerade wieder eine Welle des Personalabbaus gemacht wird, so gibt es keine Kündigungen, sondern man löst dies durch "die natürlichen Abgänge", also meistens die älteren.

Eine paradoxe Entwicklung: Die Gesellschaft (damit auch die Kunden) wird immer älter, aber die Belegschaft in den Kundenbereichen von Firmen immer jünger. Viele ältere Menschen würden aber noch gerne weiter arbeiten. Die Praxis zeigt, dass viele ältere Menschen nach ihrem Berufsaustritt weiter aktiv sind, sich weiterbilden und sich engagieren. Nur halt nicht mehr für das Unternehmen, wo sie viele Jahre gearbeitet haben. Weil das Unternehmen dies nicht nützt und kreative Möglichkeiten des sinnvollen Arbeitseinsatzes findet. Untersuchungen zeigen, dass ältere Menschen besondere Fähigkeiten haben und dabei oft besser abschneiden als Jüngere.
‐ Viele älteren Kunden schätzen und vertrauen einem älteren Verkäufer besonders.
‐ Viele ältere Führungskräfte könnten als Coach tätig sein oder als "Führungs‐Feuerwehr" (Manager auf Zeit), um nur 2 Beispiele zu nennen.

Stärken, die im besonderen Maß an das Alter gebunden sind:
1. Ältere sind souveräner bei Komplexität
2. Sie haben tendenziell eine höhere Toleranz gegenüber Unterschieden
3. Besonders eindrucksvoll ist ihr Handlungsökonomie
4. Ihre Selbsteinschätzung ist realistischer
5. Auch Ihr Entscheidungsverhalten ist realistisch
6. Sie haben mehr Sinn für das Machbare
7. ältere können häufig auf ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgreifen
8. Die Fähigkeit, in Teams ebenso rücksichtsvoll wie entschieden zu arbeiten

Bei der Personalpolitik ist Mut zum Alter gefragt:
‐ Der wachsenden Anzahl an älteren Kunden muss eine entsprechende Anzahl älterer Mitarbeiter
  gegenüberstehen.
‐ Es fehlen oft Fachkräfte, also Mitarbeiter mit Spezialwissen in einer bestimmten Sparte.
  In Zukunft muss man mehr auf Qualifikation als auf das Alter schauen.
‐ Viele Firmen in anderen Branchen reaktivieren ihre Ruheständler und gliedern sie wieder
  in den Arbeitsprozess ein.
‐ Manche Firmen beschäftigen nur Menschen, die älter als 50 sind, weil es auch die Kunden sind.
‐ Eine Bank stellt "Azubis" über 50 ein und hat ein eigenes Ausbildungsprogramm für sie.

Trennen wir uns nicht vorschnell von Mitarbeitern, nur weil sie älter sind, sondern suchen wir Einsatz‐ und Aufgabengebiete für sie. Wir denken zu oft, dass den älteren geholfen werden muss, statt zu schauen, wem die älteren Menschen helfen können. Sie könnten auch den Unternehmen helfen. Und sie werden es in Zukunft vermehrt müssen.
Jetzt wollen wir damit natürlich nicht sagen, dass die Firmen nur mehr ältere Mitarbeiter beschäftigen sollen. Ein guter Generationen‐Mix ist nötig. Wir müssen "junge Füchse und alte Hasen" zusammenführen, damit sie gegenseitig voneinander lernen und ein schlagkräftiges Team bilden.