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Aktuelles

Ruhestand? Unruhestand ist gesünder!

Quelle: VNR‐Redaktion
Artikel vom 14.07.2010

Den Ruhestand zum "Unruhestand" machen ‐ das ist es, was gesund hauml;lt und vor vorschnellem Altern schützt. Zu diesem Ergebnis kam eine Langzeitstudie der Universität von Maryland, an der mehr als 12.000 Pensionäre teilnahmen.

Im Ruhestand hält weitere Tätigkeit gesund
Wer nach dem Eintritt in den Ruhestand noch weiterhin einer berufsähnlichen Beschäftigung nachgeht, erkrankt deutlich seltener an Arthritis, Diabetes, Krebs, Lungen‐ oder Herzkrankheiten. Das ist das Ergebnis der Langzeitstudie der Universität Maryland, an der 12.189 Pensionäre teilnahmen.
Ob diese Tätigkeit halbtags, ganztags, ehrenamtlich, selbstständig oder angestellt ausgeübt wird, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur: Den Ruhestand nicht wortwörtlich nehmen und keiner Tauml;tigkeit mehr nachgehen.

Wer den Ruhestand zum "Unruhestand" macht, bleibt auch geistig fit
Eine weitere Folge des "Unruhestandes" ist, dass die Agilität und Leistungsfähigkeit bei der Erledigung alltäglicher Aufgaben wesentlich besser erhalten bleibt als im allzu ruhigen kompletten Ruhestand. Das wiederum erhält das seelische Befinden: Wer aktiv bleibt, dem geht es auch einfach besser.

Der Leiter der Studie aus den USA, Yujie Zhan, fasst zusammen: "Die körperliche und geistige Aktivität sowie der tägliche Umgang mit Menschen stärken Kreislauf, Stoffwechsel und Immunsystem und halten das Gehirn fit." Seine Empfehlung an alle Ruheständler: Möglichst einer Nebentätigkeit nachgehen.

Initiative "Alter schafft Neues"

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Artikel vom 07.08.2009

Mit der Initiative "Alter schafft Neues" schafft das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einen wichtigen Impuls zur Stärkung des Engagements älterer Menschen in unserer Gesellschaft.
Die Initiative fördert gleichzeitig die Wirtschaftskraft und das freiwillige Engagement der älteren.
Im Mittelpunkt der Initiative stehen
‐ das Programm "Aktiv im Alter"
‐ das Programm "Freiwilligendienste aller Generationen" sowie
‐ die Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter". 

"Aktiv im Alter"
Mit dem Programm "Aktiv im Alter" wird es älteren Menschen leichter gemacht, sich gesellschaftlich einzubringen. Außerdem werden Kommunen dabei unterstützt, Strukturen auf‐ oder auszubauen, die eine stärkere Partizipation älterer Menschen ermöglicht. Wie wollen wir morgen leben? Dies ist die leitende Frage, mit deren Hilfe gemeinsam Ziele entwickelt und umgesetzt werden sollen.
Die ersten 50 Kommunen im Programm "Aktiv im Alter" sind im Oktober 2008 gestartet, um das Leitbild des aktiven Alters mit konkreten Projekten vor Ort mit Leben zu füllen. Im Juni 2009 sind weitere 100 Kommunen dazugekommen. Gemeinden im ländlichen Raum stellen den grouml;ßten Teil der Standorte, aber auch Großstauml;dte wie Köln und München sind im Programm vertreten.

"Freiwilligendienste aller Generationen"
Das Programm "Freiwilligendienste aller Generationen" erouml;ffnet Möglichkeiten zum passgenauen Engagement ‐ entsprechend der individuellen Lebenssituation, den Interessen und Fauml;higkeiten sowie dem vorhandenen Zeitbudget. Insbesondere älteren Menschen bietet das Programm die Chance, sich mit ihrem umfangreichen Erfahrungswissen in dem neuen Freiwilligendienst zu engagieren.
Das Programm startete am 1. Januar 2009, das Gesamtvolumen der Förderung bis 2011 betrauml;gt 22,5 Millionen Euro. Zum Auftakt wurden im Rahmen eines Ideenwettbewerbs 30 Leuchtturmprojekte ausgewählt, die die veränderte demografische Situation aktiv angehen und die neuen Freiwilligendienste mit besonderer Kreativität in ihrem Ort etablieren wollen. Eine bundesweite Internetplattform vernetzt Anbieter und Nachfrager von ehrenamtlichen Tätigkeiten. In den Kommunen entstehen mit Hilfe von Bundesmitteln bürgernahe lokale Internetbörsen, die mit der bundesweiten Engagement‐Plattform verknüpft werden. Der Bund unterstützt auch die Weiterbildung von Freiwilligen und die Qualifizierung der sie anleitenden Fachkräfte vor Ort. Für den bundesweiten Einsatz von mobilen Kompetenzteams erhalten die Bundesländer Zuschüsse des Bundes.

"Wirtschaftsfaktor Alter"
Die Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" verbindet Senioren‐, Wirtschafts‐ und Verbraucherpolitik miteinander und zielt sowohl auf die Erhöhung der Lebensqualität von a¨lteren Menschen als auch auf die Stärkung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Im Rahmen der Initiative wird durch gezielte Informationen und Sammlung von Best Practice‐Beispielen einerseits auf bestehende Angebote für Produkte und Dienstleistungen hingewiesen, andererseits eine höhere Sensibilität auf Seiten der Unternehmen für die Bedarfe von älteren Menschen geschaffen.
Die Initiative wurde vom Bundesfamilienministerium gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium initiiert. Sie verfügt über eine Impulsgruppe, die sich aus Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Verbänden, Verbraucherschutzorganisationen und Wissenschaft zusammensetzt.

Wer im Ruhestand beruflich aktiv bleiben will,
sollte sich frühzeitig um Optionen für später kümmern

Quelle: StZ/StN
Artikel vom 16.03.2008

Stuttgart ‐ Als er mit 63 pensioniert wurde, fühlte Helge Dankwarth sich noch längst nicht ruhebedürftig. Deshalb vereinbarte er mit seinem Chef, sich seine Stelle künftig mit seinem Nachfolger zu teilen. Einmal wöchentlich klemmt er sich auch heute noch morgens die Aktentasche unter den Arm und fährt in seine alte Firma. "Die Freitage im Büro genieße ich richtig. Ich begegne vielen jungen Leuten, und habe eine sinnvolle Aufgabe. So halte ich mein Gehirn auf Trab", sagt der heute 68‐Jährige.

Für viele Rentner ist mit der übergabe der goldenen Uhr zum Firmenabschied das aktive Leben noch längst nicht vorbei. Sie fühlen sich körperlich und geistig fit und möchten auch weiterhin im Berufsleben mitmischen ‐ auch zur Aufbesserung der Rente. Das kommt auch den Firmen entgegen. "Ältere Arbeitnehmer sind für die Unternehmen sehr wertvoll. Ihre langjährige Berufserfahrung lässt sie gelassen und lösungsorientiert an Probleme herantreten", erklärt Filipos Michalas, Geschauml;ftsführer von "Erfahrung Deutschland". Seine Agentur hat sich auf die Vermittlung von Fach‐ und Führungskrauml;ften im Ruhestand spezialisiert.

Eine sinnvolle Beschäftigung ist wichtig für das eigenen Wohlbefinden
"Viele unterschätzen, wie wichtig eine sinnvolle Beschauml;ftigung für das eigene Wohlbefinden ist. Der Ruhestand kann noch lang sein, und allein die Gartenarbeit stellt nicht jeden zufrieden", gibt der Personalfachmann zu bedenken. "Ich rate älteren Arbeitnehmern, sich schon frühzeitig um Optionen für spauml;ter zu kümmern." Dazu gehört, dass man in seinem Fachbereich am Ball bleibt. Fachmedien, Gesprächskreise und Kongresse können dabei helfen, sich über neue Entwicklungen der Branche zu informieren. "Auch ein stabiles Business‐Netzwerk ist für die Arbeitssuche nach dem Renteneintritt wichtig. Man sollte daher nicht nachlassen, Visitenkarten zu sammeln und Geschäftsbeziehungen zu pflegen."

Auf der Suche nach einem Einsatzgebiet sollte man erst einmal seine ehemalige Firma kontaktieren. "Viele Firmen bieten bereits spezielle Programme für ihre Ruheständler an. Sie sorgen dafür, dass die ausgeschiedenen Mitarbeiter weiter im Kontakt mit der Firma stehen und akquirieren sie gezielt", weiß Michalas. Aber auch individuelle Regelungen seien keine Seltenheit. Von der Bewerbung auf normale Stellenausschreibungen rät er ab. "über Annoncen werden meist Leute für eine längerfristige Festanstellung gesucht. Besser ist es, sich als älterer Arbeitnehmer initiativ oder über eine Agentur zu bewerben, dann sind die Voraussetzungen schon im Vorfeld geklärt."

Die "alten Hasen" sollten den Jüngeren Respekt und Anerkennung entgegen bringen
Die Zusammenarbeit zwischen jungen Nachwuchskrauml;ften und erfahrenen Ruheständlern ist nicht immer einfach. Jüngere Arbeitnehmer fühlen sich von ihren älteren Kollegen oft belehrt und gegängelt. "Es ist wichtig, dass beide Seiten sich als Team verstehen und auch die "alten Hasen" den Jüngeren Respekt und Anerkennung entgegenbringen. Ein 70‐Jähriger kann sich auch mal etwas von einem 25‐Jährigen erklauml;ren lassen", gibt Leena Maxin zu bedenken. Nur so entstehe ein gleichwertiges Zusammenspiel der verschiedenen Generationen, von dem alle profitierten.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Zuverdienst zur Rente sollte man am besten schon vor dem Ruhestand abklären. "In manchen Rentenvereinbarungen gibt es Klauseln, die die Zuverdienstmöglichkeit einschrauml;nken. Darauf sollte man vor dem Unterschreiben achten", sagt Filipos Michalas. Oft bestehe aber auch nachträglich noch die Möglichkeit, den Bezug der Rente einfach für einige Zeit auszusetzen, solange man an einem anderen Projekt arbeitet.

Anstiftung zum Unruhestand –
Es muss verstärkt mit aktiven Senioren gerechnet werden

Quelle: AP
Artikel vom 03.04.2008

Berlin ‐ Ein Sofa mit Kuhle, ein Fernsehsessel mit handlich parat liegender Fernbedienung und die provokante Frage: "Ist das der beste Platz für Ihre besten Jahre?" Mit solchen Motiven wirbt das Familienministerium für eine neue Kampagne, die ältere Menschen zu aktivem Tun anstiften und zugleich die Kommunen motivieren will, sich Wissen und Tatkraft der "Generation 50 plus" zunutze zu machen. Ministerin Ursula von der Leyen stellte die Initiative "Alter schafft Neues" am Mittwoch in Berlin vor.
Der Großteil der älteren sei heute wirtschaftlich und gesundheitlich zufrieden; ihre Kräfte und Stärken seien beträchtlich, erklärte der Heidelberger Gerontologe und Vorsitzende der Altenberichtskommission der Bundesregierung, Andreas Kruse. Innovationsfähigkeit, Kreativität und Produktivität seien keine Frage des Alters, wenn man offen sei für Neues und "einem die Gesellschaft was zutraut".

"Silberne" Generation birgt "pures Gold"
ältere seien ausgesprochen einsatzfreudig, wenn sie die Möglichkeit dazu hauml;tten, bekräftigte von der Leyen. Oft warteten sie nur auf Impulse, dass und wie sie gebraucht würden. Die "silberne" Generation stelle nicht nur einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, sondern habe sogar "pures Gold" zu bieten, nämlich kostbare Zeit und bürgerschaftliches Engagement.
2005 waren rund 20 Prozent der Bevölkerung über 60, 2030 werden es schon 30 Prozent sein. Die 60‐Jährigen von heute seien gesünder und fitter als früher und hätten im Schnitt noch 20 Lebensjahre vor sich, erklärte von der Leyen. Die Kampagne solle helfen, sie als "gewonnene Zeit" zu leben. Schon jetzt ergibt das Engagement der über 60‐Jauml;hrigen, mit einem Stundensatz von fünf Euro berechnet, eine Summe von 2,87 Milliarden Euro im Jahr. 2004 waren 37 Prozent der Senioren ehrenamtlich tätig, aber 63 Prozent waren bereit dazu.

22,5‐Millionen‐Programm
Viele hauml;tten ein großes Bedürfnis, auch über die Familie hinaus aktiv zu werden, und warteten nur darauf, in die Verantwortung genommen zu werden, erklärte von der Leyen. Andererseits suchten Kommunen, Initiativen und Verbauml;nde oft händeringend Helfer und Mitstreiter. Hier eine Brücke zu bauen, ist ein Ziel der neuen Projekte.
So soll am 1. Januar 2009 das Programm "Freiwilligendienste aller Generationen" starten, das auf drei Jahre angelegt und mit 22,5 Millionen Euro ausgestattet ist. Es wendet sich an alle Altersgruppen, besonders aber an ältere, die sich mindestens ein halbes Jahr lang acht bis 20 Stunden pro Woche ehrenamtlich beispielsweise in der Jugendarbeit, Pflege oder Kinderbetreuung engagieren wollen.

Website knüpft "Bürgernetz"
Dafür werden bundesweit 30 Kommunen als "Leuchtturmprojekte" ausgewählt und beim Aufbau der Freiwilligenarbeit mit jeweils 150.000 Euro gefördert. Beratungsteams sollen Hilfestellung geben. Als Börse für ehrenamtliche Tätigkeiten ist eine bundesweite Such‐Website "das‐buergernetz.de" im Aufbau, in die sich Kommunen mit eigenen Internetseiten einklinken können, so dass Interessierte mit zwei Klicks das Angebot ihrer Gemeinde finden.
Dazu kommt das neue Programm "Aktiv im Alter" mit dem Ziel, die ehrenamtlich tätigen Senioren auch als Mitgestalter und Mitentscheider in den Gemeinden zu stärken. Hier können Kommunen Zuschüsse bekommen, die etwa die Einbindung älterer fördern und neue Möglichkeiten erproben. Die große Einsatzbereitschaft der "Generation 50 plus" müsse auch auf eine neue Kultur des Umgangs mit älteren treffen, damit die Begeisterung nicht ins Leere laufe, erklärte die Ministerin.

Menschen im Unruhestand – Arbeit ohne Ende

Quelle: WAZ, Rhein‐Ruhr, Hayke Lanwert
Artikel vom 09.05.2008

Ruhrgebiet. Sie sind 65, 68, 70 und 72 und genießen ihren Ruhestand, indem sie weiterarbeiten. Die Hebamme, den Professor, die Designerin, den Arzt und den Gastwirt verbindet der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.

Sie sind 65 plus und verspüren nicht die geringste Lust auf Ruhestand. Deshalb arbeiten sie weiter, der Arzt, der Professor, die Hebamme, die Designerin und der Gastwirt. Fünf unter Tausenden, die sich zu beschäftigen wissen, aber "lieber etwas Sinnvolles tun". So wie Elisabeth Friedrich, die Hebamme, die mit ihren 70 Jahren jedes Jahr für drei Monate nach Uganda reist, um Aidswaisen zu helfen.

Noch sind Menschen, die im Rentenalter arbeiten, die Ausnahme. Doch der Wunsch, eine bezahlte Tätigkeit auszuüben, wächst. 24 Prozent der nicht erwerbstätigen älteren würde sich dies wünschen, und auch die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement ist groß. Das stellte gerade eine reprauml;sentative Forsa‐Umfrage im Auftrag der Akademiengruppe Altern in Deutschland fest. "Es ist eine Folge der gewonnenen Jahre", erklärt der Berliner Sozialhistoriker Jürgen Kocka und spricht von einem gesellschaftlichen Wandel: "Die älteren fühlen sich fit, suchen Anerkennung, soziale Kontakte. Viele haben sich durchaus auf den Ruhestand gefreut, merken aber erst dann, was sie verloren haben".

Natürlich träfe dies nicht auf alle Menschen, auf alle Berufsgruppen zu. Nicht etwa auf den hart körperlich arbeitenden Dachdecker, nicht auf Lehrer, deren Nervenkostüm dies oft nicht mehr zulasse. "Deutlich wurde in der Umfrage auch, dass viele der Senioren im Alter kürzere Arbeitszeiten vorziehen. Aber der Wunsch, weiterhin etwas Sinnvolles zu tun, ist stark ausgeprauml;gt. Die Gewerkschaften und die großen Unternehmen reagieren darauf aber erst sehr langsam", sagt Prof. Kocka, der Sprecher der Akademiengruppe. Das interdisziplinauml;re Forschungsteam arbeitet derzeit an Empfehlungen für die Politik, wie Deutschland sich auf den demographischen Wandel am besten vorbereiten kann.

Die Hebamme
Gerade erst ist sie wieder aus Uganda zurückgekehrt, rechtzeitig zum Beginn des Frühlings in Deutschland. Genau der richtige Zeitpunkt, sich in die Gartenarbeit zu stürzen. Erst einmal abschalten, all das Erlebte verarbeiten! Denn Uganda, das bedeutet für die 70‐jährige Elisabeth Friedrich, jedes Mal aufs Neue die Konfrontation mit Elend, mit Leid.
Seit zehn Jahren kümmert sie sich dort um Aids‐Waisen, half eine Schule aufzubauen, ein Waisenheim, die nötige Wasserversorgung. "Als ich mit 60 Jahren in Rente ging, fühlte ich mich eigentlich zu jung dafür. Ich wollte etwas tun, nicht nur Kaffeeklatsch machen", sagt die Hebamme aus dem münsterländischen Heiden. Elisabeth Friedrich erfüllt sich mit ihrem Engagement den Jugendtraum, in der Entwicklungshilfe zu arbeiten. "Wenn ich helfen kann, gibt mir das ein gutes Gefühl!", sagt sie. Im nächsten Januar ‐ "wenn ich gesund bleibe" ‐ reist sie wieder nach Afrika.

Der Professor
So jung klingt die Stimme am Telefon, dass man sich gut vorstellen kann, wie er dort in Washington, in der Georgetown University, an seinem Schreibtisch sitzt und von der Forschung "einfach nicht lassen kann, weil die doch so faszinierend ist". Noch ein Projekt und noch ein Buch. In ein paar Wochen wieder in Deutschland, an der Ruhr‐Universität Bochum, aber dann, wie üblich, die zwei Wochen in Peking ... 72 Jahre ist Hans‐Martin Sass, der Professor für Bioethik, und er hat "noch Plauml;ne!"
In Bochum begründete er vor Jahren das Zentrum für medizinische Ethik, das erste in Nordrhein‐Westfalen. Seit sieben Jahren ist er emeritiert, also pensioniert. Das Lehren, tatsächlich, überlässt er seitdem den Jüngeren. "Ich will niemandem etwas wegnehmen!", sagt Sass. Aber aus "Spaß an der Freude" forscht er weiter. Sass: "Ich stelle oft fest, dass Leute, die nicht mehr arbeiten, früher altern!"

Der Arzt
In Houml;xter, wo Reinold Müller praktizierte, da war er ein richtiger Dorfarzt. Als er dann mit 65 Jahren seine Praxis aufgab, um in seine Geburtsstadt Bochum zurückzukehren, stand für ihn fest: "Ich muss noch etwas tun!" Seit drei Jahren nun verarztet Müller die Obdachlosen seiner Stadt. Menschen, die sich nicht mehr in eine richtige Praxis trauen, wohl aber in die provisorisch dafür eingerichteten Räume einer Suppenküche. Mehrmals in der Woche bieten Müller und seine Kollegen dort ehrenamtlich ihre Dienste an. "Das sind sehr bescheidene Patienten, die sich freuen, wenn man ihnen hilft!" Lesen, Fahrrad fahren, all das kann Müller durchaus genießen. Aber er findet: "Glück ist, alles andere zu vergessen bei einer Tätigkeit." Und das kann er bei seiner Arbeit.

Die Designerin
Nun denkt sie doch daran, etwas kürzer zu treten. Obwohl sie sich "fit wie ein Turnschuh" (O‐Ton) fühlt und im Herbst noch in Peru war, wo sie für den Bonner Senior Expert Service ehrenamtlich ein ganz junges Teppich‐Projekt beriet; zwei Frauen, die sich mit ihren Produkten erstmals auf einer Messe präsentieren wollten. Kürzer treten also will die Essener Designerin Christiane Baur. Aber nur etwas! Mit 65 habe sie einfach keine Lust mehr, regelmauml;ßig nach Nepal zu reisen, wo die von ihr entworfenen Teppiche produziert werden. Doch ihre Rente sei nicht so üppig, und so bewarb sie sich kürzlich als "gute Seele" für ein Senioren‐Wohnprojekt. "Ich habe genügend Hobbys. Aber noch etwas zu arbeiten, das hat auch mit geistiger Frische zu tun!"

Der Gastwirt
Nein, das könnte Hannes Schmitz sich nicht vorstellen, so ein Rentnerleben. "Wenn ich die schon sehe, wie sie über die Rüttenscheider Straße gehen, mit ihren Einkaufstüten und an der Ampel warten. Auf Gelb. Auf Grün!". Bestellt sich auf der Terrasse des Essener Restaurants Wallberg drei kleine Schweineöhrchen und ein Mineralwasser und redet und erzählt und hibbelt dabei unruhig mit dem Bein. Um zwei Uhr in der Früh ist der Gastronom ins Bett gekommen, um zehn Uhr morgens war er schon wieder auf dem Weg ins Dortmunder Konzerthaus.
Musik managt er ja nun auch noch! 70 Jahre ist er, 40 davon Gastwirt. Studiert hat er einmal Betriebswirtschaft, zurzeit gehören ihm drei Betriebe, darunter eine Diskothek. Arbeit? "Die macht mir einfach eine Riesenfreude!", sagt er. Mit einer Stunde Sport am Tag hauml;lt er sich fit. Fahrradfahren und Gymnastik. Tja, und am Wochenende, da wird es immer spät bei ihm. Fünf, sechs Uhr morgens. Denn in seiner Diskothek, in der Ego‐Bar, da macht er, was er bis dahin nie tat: selbst zapfen! Schmitz: "Ich könnte ja um vier Uhr gehen, aber dann ist es doch wieder sechs!